‚Es ist mal wieder Zeit, sich damit zu befassen!’… ich hasse mein Unterbewusstsein

Flashbacks … rauben mir die Gelassenheit, Ruhe, Zufriedenheit und auch den Schlaf.

Ich weiß, dass ich diverse Traumata mit mir herum schleppe.
Ich kann sie benennen und auch darüber reden und schreiben.
Ich hatte angenommen, dass ich sie dadurch ‚entschärft‘ habe, dass sie mir bewusst sind, ich darüber schon geschrieben habe, mit meinem Therapeuten und auch meinem Psychiater darüber geredet habe.

Nur.

Nein!

Ich habe sie nicht hinter mir gelassen.

Je dünnhäutiger ich werde, sensibler (ganz zu schweigen von meiner Hypersensibilität, man kann sie in den Griff bekommen, aber… an manchen Tagen schwappt mir buchstäblich alles über den Kopf), umso intensiver kommen diese Flashbacks.

Und genau DAS macht mir bewusst, dass ich noch so aufgeklärt sein kann, noch so bewusst mit diesem nicht unerheblichen Problem umgehen kann, es wird immer so bleiben.

Die Traumata therapeutisch anzugehen, das hat mir mein Therapeut schon oft angeboten, nur haben wir überlegt und das Problem für nicht ganz so wichtig empfunden, dass sich eine Therapie wirklich als lohnenswert darstellt. Denn: mich plagen diese Flashbacks nicht einmal die Woche, oder täglich, aber wenn sie da sind, dann bleiben sie auch hartnäckig, zunächst, bis ich mich damit auseinander gesetzt habe, nachgedacht habe, mir einiges bewusst gemacht habe, was alles da ist in meinem Kopf, aber immer wieder aktiviert werden muss um nicht unterzugehen.

Es ist schlimm morgens aufzuwachen und jede einzelne Situation aus der Vergangenheit zu erinnern, weil das Unterbewusstsein im Schlaf meint, doch mal wieder alles hochspülen zu müssen. .

‚Es ist mal wieder Zeit, sich damit zu befassen!‘

Warum zur Hölle?

Flashbacks nennt man diese blitzartig auftretenden Erinnerungen an Traumata. Man durchlebt die Situationen wieder. Man erinnert sich an das Gefühl der Ohnmächtigkeit, der Hilflosigkeit, der Fassungslosigkeit, der Angst und der Trauer, nicht, dass ich diese Gefühle damals exakt hätte benennen können, das war in mir drin, ein furchtbarer Kloß an Gefühlen, der mir buchstäblich Magenschmerzen verursacht hat, Kopfschmerzen und Tränen.

Ich kann mich an so manche Situation inzwischen wieder (leider) erinnern, dass ich weinend durch die Straßen gelaufen bin, stumm, nach Luft ringend, weil es mich mal wieder ‚erwischt‘ hat. Mobbing, üble Nachrede, Gelächter über meine ‚Unfähigkeiten‘, wobei viele diese Dinge auf Lügen der Verursacher fußten. So wurde ich z.Bsp. von einem Chef als Legasthenikerin dargestellt, weil ich (das war meine Zeit in einer Arztpraxis, wo ich u.a. auch Arztbriefe zu schreiben hatte und er sehr schlecht diktierte und man sich die Begriffe ‚aus den Fingern saugen‘ musste, was bei bewusst gewählten Fachbegriffen nicht ganz so einfach ist. Und, unter derartigem Stress bin ich wirklich kaum des Deutschen mächtig. Weder verbal noch schriftlich. Ich ‚kippe‘ dann gerne entweder in die Sprachlosigkeit oder ins englische.), offen, in der Anmeldung, vor Kollegen, vor Patienten und ich kam dazu, bekam dies alles mit, wie er da stand und sich LAUThals über mich ausließ, sah die entsetzten Blicke der Patienten, die amüsierten Gesichter meine Kolleginnen, hörte die Worte…. und keine/-r stand auf und sagte ‚Stop. So geht das nicht. Das ist Mobbing‘. Weil, dann wäre man der/die nächste gewesen…

Klar mache ich Fehler. Wer macht keine? Nur wer nichts macht, macht keine Fehler. Man kann das aber auch von außen provozieren!

Oder, nächste Situation, die Chefin, die mal wieder nicht mit meiner doch recht stillen Art klar kommt, lauthals aufstöhnt, weil ich ihr nicht schnell genug bin, sich aus ihrem Chefsessel schält (sie hatte die Ausmaße einer Walküre, was noch eine zusätzliche -körperliche- Brisanz bedeutete, da ich eher schmal und klein bin, zumindest im direkten Vergleich), zu mir herüber kommt, die Arme rechts und links von mir platziert und sich über mich beugt (ja, ist möglich, wenn man das Größenverhältnis kennt) und mich ‚anbrüllt‘ und ich nur noch gehemmter und stiller werde und nur noch relativ locker arbeiten kann, wenn sie nicht in der Firma ist.

Ich bin gerade am zittern. Furchtbar am zittern. Aber ich muss da durch.

Das war zur Zeit meiner Diagnostik und ist exakt 4 Jahre Vergangenheit (das andere, mit dem mobbenden Chef, ist ca 5-6 Jahre Vergangenheit), bei einem Termin bei dem mich diagnostizierenden Arzt, ‚konnte‘ ich dann einen Monat nach der Diagnose erzählen, dass ich meine Kündigung bekommen habe, ein ‚warum?‘ konnte ich nicht beantworten, weil ich eine Erklärung (sie wollte sich am Tag nach der Kündigung mit mir zum Kaffee treffen) nicht mehr zugelassen habe. Der Arzt atmete erleichtert auf und meinte zu mir ‚Das ist gut, denn ich wollte Ihnen eine Bescheinigung für die ArGe ausstellen, dass eine Weiterbeschäftigung dort, mehr als schädlich für Sie ist und Sie kündigen müssen.‘.
Schade, denn das wäre eine Reaktion meinerseits gewesen, die u.a. auch Trauma-bearbeitend gewesen wäre, denn nicht mir wäre gekündigt worden, ich hätte gekündigt = es ist immer besser selbst den Schritt zu tun! Das hat enorme Auswirkungen auf die Psyche, das ‚Selbstwertgefühl‘, den Magen und den Schlaf.

Dass sie dann noch versucht hat, mir mein zustehendes Gehalt nicht zu zahlen, ich zum Arbeitsgericht musste, das sei nur am Rande erwähnt. Ich habe es geschafft, sie ist nicht damit durchgekommen, aber es war eine verdammt anstrengende und beängstigende Zeit.

Oder die Situationen in der Position als Abteilungsleitung in diesem kleinen psychologischen Verlag, wo man mir Dinge unterstellt hat, die ich gar nicht mehr alle benennen kann, die mich aber letztendlich zunächst meinen Vollzeitjob gekostet haben, weil man mich stundenmäßig zurückgestuft hat, mir meine Position aberkannte, weil ich  psychisch nicht belastbar sei (wie auch, bei Mobbing??), mich immer weiter in eine ‚Aushilfstätigkeit‘ schob, bis hin zur Kündigung wegen angeblich drohender Insolvenz… die einzige Mutter in der Firma, mit schulpflichtigen Kindern… ‚egal, die ist sonderbar und sagt unbequeme Dinge, die muss weg’…

Oder oder oder. Es gibt so viele Dinge, die gerade hochschwemmen, es ist unangenehm.

Oder die Situation mit meinem Stiefsohn, bzw. meinen Stiefsöhnen… Ja, innerhalb dieser Familie habe ich genau solche Situationen auch erlebt, in diesem Fall gepusht durch die Ehefrau, was sich auch noch über unserem Sohn entlud und ihm letztendlich ‚den Hals gebrochen hat‘ (plus der Geschichten mit seinen Lehrern…), das ist inzwischen fast 3 Jahre ‚Geschichte‘.

Flashbacks können therapiert werden. Traumata auch. Unbedingt!

Ob es bei mir noch großen Sinn macht, dass muss ich mit meinem Therapeuten besprechen. Denn ich befürchte, dass das alles schon so manifest ist, weil die letzten 30 Lebensjahre von mir gespickt sind mit Traumata und daraus resultierenden Flashbacks, ganz zu schweigen von den ganz frühen Missbrauchserfahrungen und Misshandlungen etc…

Was ist das für ein Leben, in dem man sich lange lange Phasen nicht sicher und wohl gefühlt hat?!

Es ist grausam.

Aber: ich bin extrem dankbar, dass ich mich JETZT sicher und wohl fühlen kann, da mein Mann mir jederzeit zur Seite steht und den Rücken stärkt. Klar, es kommen auch von ihm Bemerkungen ‚ach komm, das ist so lange her‘ oder ’nun ist aber mal gut.‘ oder ’stell dich nicht so an‘, ja die kommen auch. Sind aber auch seiner phasenweise Hilflosigkeit geschuldet, über die ich zunächst traurig bin, aber später verstehe.

Wie geschrieben: es ist möglich dies alles zu therapieren, ob es bei mir noch Sinn macht sei dahin gestellt. Ich habe das Gefühl, dass ich mir immer und immer wieder damit auseinander setzen muss.

Und, im Grunde genommen, schwächt es mich zunächst (ich schlotter gerade wirklich ziemlich), aber im Endeffekt macht es mich jedes Mal ein klitzekleines Stückchen stärker.

Links zu diesem Thema:

Hilfe, Selbsthilfe, Traumatherapie

PTBS, Teil 4: Was tun gegen sich aufdrängende Erinnerungen?

Trauma: Narben der Seele

Zeit-Artikel Traumatherapie : Erinnerung, lass nach

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