autistische Alltagsprobleme

Es gibt diese Tage, da möchte ich mich vergraben.

Nichts geht.

Selbst diese so gewöhnlichen Dinge und Tätigkeiten wie Müll raus bringen, einkaufen, Arztbesuche.

An manchen Tagen schlägt alles über mir zusammen und ich habe Panikattacken, Frustwellen, Zukunftsangst, innerliche Heul- und Schreikrämpfe. Das meiste spielt sich nicht sichtbar ab.

Der Kontakt zu anderen Menschen, also außerhalb dieser kleinen Familie, gestalten sich als nicht zu schaffende Herausforderungen.

Ich komme mir dann immer so absolut unfähig vor. Überflüssig. Gestört.

Ich weiß, dass ich weder das eine noch das andere bin, aber mein Kopf denkt sich da etwas anderes.

Ich bin die ‚Versorgungseinheit‘ dieser Familie, das heißt, ich muss kochen, putzen, Wäsche waschen. Um zu kochen brauche ich Lebensmittel, um zu Waschen Waschpulver (okee, das könnte ich dann mal wieder selbst machen, aber auch dafür brauche ich Rohstoffe…). Das bedeutet: ich muss raus. Ich muss mich dem, auch wenn es eher zu vernachlässigen ist, weil minimal, marginal, sozialen Kontakt zumindest an den jeweiligen Kassen stellen.

Und.das.kann.ich.dann.nicht. => ich bin unfähig.

Wie kommt sowas? Ich denke viel darüber nach und ich denke, dass man als ‚ältere‘ Autistin schlicht und ergreifend ‚auf‘ ist. Man wird ‚dünnhäutiger‘, verkraftet längst nicht mehr so viel wie vor wenigen Jahren, körperlich ist man auch nicht mehr so leistungsfähig, zumal sich auch noch die eine oder andere degenerative Geschichte dazu gesellt.

Es ist ja nicht so, dass man, nur weil man in Rente ist, sich soweit als möglich zurückgezogen hat, auch tatsächlich ‚Ruhe‘ hat. Gerade als Mutter geht der ganze Terror weiter. Man hat Pflichten, denen man gerecht werden muss. Und somit dreht sich dieses ‚Entsaftungs Karussell‘ meiner Nerven weiter.

Ja, genau so fühle ich mich manchmal: entsaftet, leer, ausgequetscht.

Dann will man irgendwie seinem Partner auch gerecht werden, denn auch er will gesehen und wahrgenommen werden. Er will, dass Frau ihm gerecht wird, liebevoll ist, empathisch… alles vollkommen normal, denn das erwarte ich ja auch von ihm. Und doch bleibt er so manches Mal auf der Strecke (RW). Und auch das tut mir weh. Denn ohne ihn, und Trennungs Szenarien (da besteht keine Gefahr), schwappen mir durchaus durch den Kopf, weil ich ja ’so unfähig bin‘, mir selbst souffliert, würde ich noch ärmer dastehen als ohnehin schon. Er ist mein Fenster nach draußen.

Und ich laufe weiter. Jeden einzelnen Tag. Irgendwie.

Manchmal mit Wut im Bauch, weil diese Gesellschaft so abweisend und unverständig ist,

manchmal mit Frust, weil ich mich so dermaßen ausgegrenzt fühle (auch wenn ich mich selbst ausgrenz, was ich als logische Konsequenz ansehe = Selbstschutz),

traurig, weil ich die Ungerechtigkeiten in diesem ach so sozialen Staat gegenüber Menschen, die anders sind, so unfassbar unglaublich empfinde,

panisch mit den Gedanken ‚wie wird es mit Sohn weitergehen?‘.

Aber: immer nur einen Tag schaffen. Das ist schon sehr gut. Nicht zuviel von mir erwarten, denn das ist nicht gut. Kleinigkeiten leben, so wie die Basteleien der letzten Tage.

Gut ist, dass ich die Gabe habe, dass mich Nebensächlichkeiten wieder aufrichten und ich herzlich über mich selbst lachen kann.

Wohl an denn. Diesen Tag werde ich auch rocken.

Update nach 6 Stunden: ich hatte mich im Tag vertan… = ich bin ‚umsonst‘ in die Stadt gefahren, denn ich hätte den Termin bei meinem Therapeuten morgen gehabt *hmpf*. Das ist mir auch noch nicht oft passiert.

Well, weiter gehts. Jammern gilt nicht, schwächeln auch nicht, aufgeben nun mal überhaupt nicht und ’nur die harten kommen in den Garten'(RW)….

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4 Gedanken zu “autistische Alltagsprobleme”

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