Visionen – Wünsche – Hoffnungen – Vorstellungen

Wenn ich meine Zeit als Mutter eines autistischen Kindes Revue passieren lasse, wenn ich auch die Zeit als diagnostizierte Autistin Revue passieren lasse – was bleibt zurück?

Frust und Desillusion.

Aber auch Hoffnung, Träume, Wünsche und Visionen.

Frust und Desillusion deswegen, weil wir erheblich viel Ausgrenzung, Spott und Intoleranz erlebt haben, Mobbing, Bossing, Bashing und Gelächter.
All das reicht um einen Menschen nachhaltig aus der Gesellschaft zu ziehen.

Als ich mir Gedanken hierzu gemacht habe, ist mir das letzte Mal eingefallen, an dem ich unseren Sohn  fröhlich, lachend und offen uns gegenüber erlebt habe: der Tag an dem er ‘verschollen’ war, zunächst.
Der Tag, an dem er nach wiederholten Mobbing durch seinen Lehrer (etwas was dann eigentlich in den Bereich Bossing fällt) die Schule, geschickt getarnt, in der Pause verlassen hat, sich zum städtischen Bus bewegt hat, weiter weg von der Schule nur um nicht zu früh gesehen zu werden und im mindestens Overload heim gefahren ist, einen Bus verpasst hat und für eine Strecke, die sonst in einer Stunde absolvierbar ist, 3 Stunden benötigt hat.

Diese Situation ist tatsächlich heute, im Februar 2021, 6 Jahre her.

Das was nachfolgend passiert ist, bringt mich selbst heute noch dazu, zu weinen.

Die Schule machte ihn und uns schuldig, verweigerte ihm einen von ihm gewünschten Klassenwechsel, mobbte und mobbte, griff mich als Mutter, sehr subtil verpackt, an.
Was dann letztendlich zu einem massiven Zusammenbruch führte und ihm zu einem so genannten ‘Schulverweigerer’ machte, dem letztendlich aber eine massive Schulangst zu Grunde liegt. Nach 9 Jahren derlei Erfahrungen absolut kein Wunder.
Nur noch so viel dazu: diese Schule war eine Förderschule, auf der er ‘geparkt’ wurde, weil ‘man ihn ja nicht überfordern wolle, da er doch Autist sei’.

Nunja.

Ich war davor schon länger im Bereich ‘Spektrum’ unterwegs, immer in der Hoffnung, so viele Infos wie möglich zu finden, viel zu lernen, ein, wie im englischsprachigen Bereich genannter ‘Autism Advocate’ für mein Kind zu werden, also jemand mit Wissen, der aufklären kann, der erklären kann, der sich vor sein Kind stellt.

Ich denke, ich habe vieles davon erreicht, obwohl ich selbst zu oft einen ‘autism advocat’ benötigt hätte, denn es ist nicht einfach, da auch ich zu Sprachlosigkeit neige.

Dennoch bin ich davon überzeugt, dass autistische Eltern, gerade was ihre autistischen Kinder betrifft, echte ‘Löwen’ dabei sind, ihre Kinder zu beschützen! Was landläufig gerne in den Topf ‘Helikoptereltern’ geschmissen wird, aber etwas so ganz anderes ist! Es ist das Bewusstsein, was alles passieren kann, wenn ein autistisches Kind zu oft getriggert, gemobbt, ausgegrenzt wird.

Trotz all dieser Erfahrungen habe ich meine Hoffnung auf ‘besser’ nie verloren.

Trotz all dieser auch mir gegenüber ausgeübten Ausgrenzungen habe ich weder meinen Humor, noch meinen Optimismus, noch meine Wünsche und Träume, sowie auch Visionen nie verloren.

Klar, ich schwächel manchmal, wer tut das nicht, nur bricht all dies, was ich als meine wirkliche Stärke betrachte, immer wieder durch.

Ich hoffe, wünsche und träume immer wieder, dass:

  • die Menschen endlich tolerant sind
  • die Menschen Menschen die in irgendeiner Form anders sind, so auch akzeptieren
  • die Menschen aufhören über die Schwächen anderer zu lachen
  • die Menschen Menschlichkeit wieder für sich entdecken
  • die Menschen auch Nächstenliebe wieder als etwas extrem wichtiges erachten
  • Autisten als wichtige Mitglieder dieser Gemeinschaft erkannt werden
  • Autisten akzeptiert werden, auch wenn sie mutistisch sind, zappeln, summen, flattern, schaukeln, echolalieren, extrovertiert sind, introvertiert sind, einen Hund benötigen, was auch immer ihren Autismus ausmacht, bzw. es ihnen möglich macht überhaupt im sozialen Gefüge zu interagieren
  • Dass Menschen erkennen, dass es ohne Autisten nicht geht und viele Entwicklungen denen sich die Menschheit rühmt, auf die Idee eines Autisten zurückzuführen ist
  • dass Mensche bereitwillig Hilfestellung geben, egal wem
  • dass die inzwischen so akute Haltung das Leben egozentrisch zu leben wieder rückläufig wird
  • mein wichtigster Wunsch, meine dringlichste Hoffnung: dass ein autistischer Mensch nicht mehr die Beweislast tragen muss. Dass eine erfolgte Diagnose, die nie einfach ist!, von Ämtern, Ärzten, Institutionen, Behörden, ohne wenn und aber geglaubt wird. Dass es unverzüglich möglich ist, Hilfestellungen zu bekommen, ohne wenn und aber.

Ich selbst bin seit vielen Jahren mit meinem Blog unterwegs. Habe aber aufgrund von massiven Verletzungen, Anfeindungen, auch Mobbing, einige Male den Blog gelöscht und neu aufgebaut, dafür hätte ich jetzt allerdings keine Ressourcen mehr. Ich bin schon lange eher sporadisch öffentlich lesbar in diesem Blog, was ganz sicher der oben erwähnten Frustration geschuldet ist. Ein Blog ist nunmal etwas, zumindest für mich, nahezu intimes, da ich mich öffne und inneres preisgebe.


Zusätzlich, was mir sehr wichtig ist und es immer wieder interessant ist, wie lesende darauf reagieren, das ist die Vereinsseite die ich betreue. Momentan auch eher nachlässig, aber das wird ganz sicher auch wieder mehr.

Ich bin so dankbar, dass es nach wie vor Personen und Seiten gibt, die wie Don Quichotte kämpfen. 

Und ja, manchmal kommt mir unsere Arbeit wie der Kampf gegen Windmühlen vor.

Es gibt einige Personen, deren scheinbar unerschöpfliche positive Kraft ich wirklich bewundere.

Und ich habe in den letzten Tagen auf einigen Seiten richtig gute Dinge gelesen.
Ergo: ich habe das Gefühl, dass es wieder irgendwie vorwärts geht, dass sich viele wieder aufrappeln und einfach weiter machen, koste es was es wolle, positiv gesehen.

Ein Grund, warum ich diesen Blog schreibe, also exakt diesen Text, ist, dass ich mich  selbst wieder aus der Depression pushen will. Und es scheint zu klappen.

Den Impuls hat Silke gegeben, die mit Ihrer Seite, sowie dem dazugehörigen Blog einen für mich extrem wichtigen Impuls gegeben hat.
Vielen Vielen Dank dafür!

Ellas Blog zu ‘unsere Vision’

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2 Gedanken zu “Visionen – Wünsche – Hoffnungen – Vorstellungen”

  1. Danke Hilde, das du immer an meiner Seite bist. Danke, für die tollen Worte. Danke, für eine lange Onlinefreundschaft. Irgendwann nach Corona wäre eine Tasse Kaffee mal was schönes. Bleib so stark.

    Gefällt 1 Person

    1. Sorry, heute erst gesehen.
      Uff. Jetzt muss ich schlucken. Vielen Dank Silke.
      Und ja, den Kaffee versprechen wir uns schon seit Jahren, das sollte nun wirklich mal was werden, irgendwann. Hoffentlich noch in diesem Leben *zwinker*

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