Rückblick auf das verrückteste Jahr schlechthin.



Ich bin etwas früh dran, zugegeben.

Allerdings muss ich anmerken: was gibt es da schon zu resümieren, außer, dass uns weltweit ein Virus fest in der Hand hat. Ja. ein ganzes Jahr wütet dieser Virus schon.

Ein winziges Ding mit unfassbaren Auswirkungen.

Mir hat es viel gezeigt und ich habe sehr viel gelernt.

Zunächst waren die Menschen, gerade ganz am Anfang, als die ersten mit Maske rumliefen, weil sie erkannten, dass so ein simpler Stofflappen vor dem Gesicht Schutz bedeuten kann, abweisen und machten sich lustig. Jep. Genau so erlebt.

Dann wurde Toilettenpapier zu einem Artikel, um den gekämpft wurde; die Videos, dass sich Menschen um Toilettenpapier prügeln waren schon eindrucksvoll. Das gleiche gilt im übrigen für Hefe, Mehl, Zucker, Seife, Taschentücher. Man konnte den Eindruck bekommen, dass die Menschheit sich auf einen globalen Krieg vorbereitet. Was ja so verkehrt nicht ist.

Zwischenzeitlich fingen die Menschen an rücksichtsvoll und freundlich zu werden. Wildfremde sprachen wildfremde an und wünschten sich einen guten Tag und ‚Bleiben Sie gesund‘ wurde zu einem der meistgehörten Sätze des Jahres.

Die Lockerungen im Sommer resetteten irgendwie dieses so willkommene Verhalten. Denn: als die Einschränkungen wieder begannen, wurde klar, zumindest war das ein Gefühl von mir, dass der Mensch an sich überhaupt nicht außerhalb seiner eigenen Blase sozialkompatible ist. Und ab da musste ich nur noch lachen.

Genau DAS wirft man mir qua meiner Diagnose vor, nur versuche ich immer und überall freundlich, höflich und rücksichtsvoll zu sein und auch zu bleiben.

Das Gejammer und Gemaule der Querdenker (über diesen Begriff musste ich allerdings in einem anderen Zusammenhang lauthals lachen), die verteilten Verschwörungstheorien, rechtes Gedankengut, schlimmste Dinge, wurden immer lauter. Und es wurde deutlich, wie beeinflussbar unzufriedene Menschen sind.

Wie dumm unzufriedene Menschen werden können! Trotz wieder besseren Wissens.

Hinzu kam, dass ich im Freundeskreis immer mehr schlimme Dinge zu lesen und hören bekam.

Psychospielchen mit Autisten wurden scheinbar zum Volkssport.

So wurde eine Freundin gekündigt und fiel und fiel und fiel – in ein tiefes Loch. Die Begleitumstände waren durchaus ’sozialverträglich‘, dennoch. Aufgebautes Vertrauen wurde mit Stumpf und Stil ‚mal eben so‘ – ausradiert.

Eine andere Freundin musste erleben, dass mit ihr auf aller übelste Weise gespielt worden ist. Und zwar von einer Institution, die als staatlich anzusehen, sich der Integration von beeinträchtigten Menschen im Berufsleben verschrieben hat. Ich bemerke dieses ’staatlich‘, weil diese Menschen von ‚meinen’/’unseren‘ Steuern bezahlt werden und wir somit quasi deren Arbeitgeber sind, also im weitesten Sinne. Nur, agieren sie auch dermaßen? Nein. Leider nur in den seltensten Fällen.

Man musste und konnte erkennen, wie Menschen, die den Anschein erwecken wollen, sich nicht mit Autismus auszukennen, Hilfestellungen deswegen bekommen haben in Form von ‚Selbsterklärungen‘, dies schamlos bis in die letzte Haarspitze aus-nutzen, diesen Menschen, den es zu unterstützen gilt, be-nutzen. Und man muss leider auch anmerken, dass diese Menschen sich offenbar doch sehr gut mit Autismus auskennen, denn nur so war es möglich, dass sie meine Freundin nach allen Regeln der zweifelhaften Kunst ‚ausknockten‘.

Hier bleibt zu überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, sich dagegen aufzulehnen. Denn, die Frage ‚Was bringt das?‘ bleibt bestehen.

Aber, ich denke immer auch an die, die noch weniger Ressourcen haben, derlei Dinge und Berichte, die psychisch betrachtet als existenziell anzusehen sind, in keinster Weise anzweifeln, hinnehmen und buchstäblich und irreversible ‚kaputt‘ gehen. Mein Gedankengang ist hier: wehren bis zum letzten Zucken der Möglichkeit, denn die anderen können es nicht. Ich sehe sowas auch als soziales Engagement.

Mein Fazit: die Unterstellungen, Autisten seien weder sozialkompatible, empathisch, mitfühlend, kommunikativ ‚unterbelichtet‘, etc etc etc – haben sich in diesem Jahr ad absurdum geführt. Dieser Virus hat, für mich, bewiesen, wie sonderbar hilflos Menschen werden, wenn man ihnen Ausgangssperren, Kontaktverbote aufbrummt. Ein Leben, dass ich selbstgewählt führe, weil ich das Leben ‚da draußen‘ kaum mehr ertrage, dennoch mitfühlend bleibe und sozial engagiert. Ich denke überhaupt nicht nur an mich, denn ich bin ’nicht wichtig‘, es gibt wichtigeres als das Wohl einzelner.

Dann noch kurz zu zwei Begrifflichkeiten, über die ich heute nachgedacht habe: aus-nutzen und be-nutzen

aus-nutzen – aus-heraus – nutzen – Gebrauch machen von > ein Begriff, der wenig Gutes hat. Irgendwer macht Gebrauch von jemand anderem, nutzt das Wissen, die Gutgläubigkeit, ggf. auch die Naivität, aus. Nur warum? Für mich: um das eigene Ego zu stärken, sich in einen ‚Gott-Modus‘ zu versetzen, sich allmächtig zu fühlen, sich selbst aufzuwerten. Kurz und knapp: ein armseliges Verhalten.

be-nutzen – hier gruselt es mich gerade, denn nach der Deutung des Thesaurus, ist dies ein noch viel schlimmerer Begriff, da benutzen auch missbräuchlich anzusehen ist. Auch hier die kurze Fragestellung nach dem ‚Warum?‘. Und, auch hier: weil der Gegenpart es ‚kann‘, für sich will, manchmal sicherlich auch unbewusst praktiziert > ABER: etwas was meiner Auffassung nach viel zu viele Autisten erdulden müssen (wirklich? Leider ja, weil oftmals unerkannt), weil Psychospielchen mit Autisten scheinbar ’normal‘ in vielen Bereichen geworden ist.

Ich denke oft, dass es Angst ist, die so ein Verhalten heraus bringt. Oder auch Unwohlsein und Unverständnis. Da ist ein offensichtlich hochintelligenter Mensch, oder ein Mensch, der in in sozialen Interaktionen irgendwie hilflos und ungeschickt erscheint – passt nicht in die Vorstellung vieler, die sich selbst als das intelligenteste beste tollste Wesen ansehen, ganz abgesehen davon, man kann über die ungeschickte Art des Gegenübers so trefflich herziehen. Toleranz ist was anderes.

Ganz perfide, wenn Menschen, die sich einen Job ausgesucht haben, der gerade diese o.a. Personen unterstützen sollte. Aber es ist ja spannend zu beobachten, wie weit man gehen kann, bis betreffende Person buchstäblich zusammenbricht und sinnbildlich zu Staub zerfällt. (Ironie? off)

Ich für mich habe entschieden, schon vor sehr langer Zeit, trotzdem bin ich nicht gefeit vor derlei wirklichen Enttäuschungen: lebe-liebe-lache.

Ich bin naiv – ja. Und stolz drauf. Ich glaube auch weiterhin an das Gute im Menschen an sich. Und ich denke, ich werde und will (!) nie lernen, wie schlecht manche dennoch sind.

Ich werde mit Sicherheit noch oft auf die sprichwörtliche Nase fallen – na und?

Ich lache darüber. So wie ich über meine Fibromyalgie lache, meine Depression, über alle negativen Erlebnisse. Denn: ich bin zu starrsinnig (wirklich?), mich von derlei negativen Dingen fertig machen zu lassen.

Wohl an denn, 2021 wird eine neue Herausforderung. Ich bin gespannt, was ich dann lernen darf.

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Ein Gedanke zu “Rückblick auf das verrückteste Jahr schlechthin.”

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