Pränataldiagnostik, Eugenik und das Klonen

Zunächst, Pränataldiagnostik bedeutet, dass diagnostisch festgestellt wird, ob ein Fötus-Kind-Ungeborenes in irgendeiner Weise krank und/oder behindert ist.

Eugenik bedeutet nichts anderes als Erbgesundheitslehre, was schon zu oft pervertiert wurde.

Klonen bedeutet ein Spiegelbild eines genetischen Ursprungs zu erzeugen. Ich denke, das Schaf ‚Dolly‘ dürfte so ziemlich jedem bekannt sein.

Ich komme auf diese Theman, weil -wieder einmal- wir heute Morgen eine Unterhaltung geführt haben, in der es um Meisen ging. Jep. Diese Vögel mit entweder schwarzen Köpfen – Kohlmeisen, oder die mit den blauen Köpfen – Blaumeisen, etc pp. Da wir ganzjährig füttern, haben wir diverse Vogelarten auf dem Balkon. Mein Mann meinte, dass sie zum Teil sehr unterschiedlich aussehen, er meinte damit die Arten, bzw. die artgleichen Vögel untereinander. Ich reflektierte in die Richtung, dass es mich wundern würde, wenn alle exakt gleich aussehen würden, denn auch bei Menschen gibt es signifikante Unterschiede, warum dann nicht auch bei Meisen?!

Er meinte daraufhin, dass dies richtig sei, er aber davon überzeugt sei, dass es in absehbarer zeit auch möglich sein wird, exakte Kopien von Menschen zu ‚produzieren‘.
Diese Bestrebungen gibt es. Und ich finde es schockierend, denn, wenn man ein bisschen Fantasie besitzt, kann man sich gedanklich ‚ausmalen‘ was dann passiert: es werden nur noch blonde, großgewachsene, blauäugige Menschen produziert, weil dies dem favorisiertem Aussehen der meisten entspricht, dazu dann eine gute Intelligenz, Auffassungsgabe, sämtliche Krankheitsgene wurden entfernt (was sogar nicht schlimmes ist), keinerlei psychische-physische-genetischen Besonderheiten sind mehr gegeben.
Und da fange ich tatsächlich an mich heftigst zu gruseln.

Pränataldiagnostik ist grundsätzlich nichts schlimmes, da ich der Meinung bin, dass man als werdende Eltern Bescheid wissen sollte-muss, sofern man es möchte. ABER viel wichtiger finde ich, dass sich jede potentielle Mutter und jeder potentielle Vater VORHER bewusst machen muss, ob sie oder er in der Lage sein wird, mit einem eventuell behinderten Kind klar zu kommen, denn es wird eine Veränderung der kompletten Lebensumstände bedeuten, mehr als ein Kind an sich schon bedeutet.
Ich bin allerdings auch davon überzeugt, dass dies ein höchst individuelles ‚Ding‘ ist und jeder für sich selbst wissen und entscheiden muss: lasse ich das machen??!!

Wenn denn aber nun, so wie es geplant ist und zum Teil nun auch übernommen wird von den Krankenkassen (im Bezug auf Trisomie 21), dass dies zum Standard wird, was bedeutet dies im Umkehrschluss?

Es bedeutet einen kompletten Verlust von so vielem.
Und es bedeutet einen immensen Druck auf werdende Eltern, die die Auffassung vertreten ‚es kommt, wie es kommt‘, denen es egal ist, ob sie ein Trisomie 21 Kind bekommen, oder ein Kind, das ggf nur wenige Stunden überlebt, oder: ein autistisches Kind. Das alles nur als Beispiel. Und ich unterstelle niemandem, dass es egal ist im Sinne von ‚mir doch wurscht und *schulterzuck*‘ ich meine damit, dass es unerheblich ist, dass dem Kind in jedem Fall die Chance gegeben wird, Liebe und Behütung, ein warmes Nest -und wenn es nur Stunden sind, so unendlich schwer das auch für die Eltern sein wird- zu geben.

Denn, es wird nicht nur weniger Trisomie 21 Menschen geben, die ich persönlich als Lichtstrahl in dieser so dunklen Gesellschaft ansehe, und die Eltern, die diese Kinder und späteren Erwachsenen ‚tragen‘ wirklich bewundere (aufgrund der vielen sehr schwerwiegenden Erkrankungen, die diese Menschen ertragen, aushalten und behandeln lassen müssen) , es wird weitergehen! Ich möchte nur dezent an die Bestrebungen von ‚autism speaks‘ erinnern, die sich als Ziel gesetzt haben, Autismus komplett auszumerzen.
Was Fehlbildungen betrifft, sei es Spina bifida, oder fehlende Gliedmaßen wie gerade diverse Male -mal wieder- geschehen, oder die diversen anderen wirklich schlimmen Dinge innerlich wie äußerlich, auch hier muss ich sagen: das.muss.jeder.für.sich.selbst.entscheiden. Punkt. Nicht jeder kann ein behindertes Kind, sichtbar oder unsichtbar, behandelbar oder nicht, ‚ertragen‘, wobei ich den Fokus auf TRAGEN lege = diese Kinder ‚trägt‘ man durch ihr Leben, im übertragenen Sinne!

Ich wage hier ein Zitat von einem Menschen, der schwer unter Beschuss geraten ist, posthum, aufgrund seiner Haltung und seinem Verhalten im 2. Weltkrieg unter Hitler, ich diese Aussage aber als essentiell empfinde:

Bildergebnis für Hans Asperger Zitat

„Es scheint, dass für den Erfolg in Wissenschaft oder Kunst ein Schuss Autismus unerlässlich ist. Hans Asperger“

Nur, diese Erkenntnis scheint heute irgendwie in Vergessenheit geraten zu sein. Es gibt so unendlich viele Menschen, autistische Menschen, die Entwicklungen ermöglicht haben, die so, in so kurzer Zeit, nicht möglich gewesen wären! Oder die, aufgrund ihrer Genialität Kunstwerke geschaffen haben, die nie wieder möglich sein werden.

Des weiteren bleibe ich jetzt, so weit als möglich bei Autismus.
Es ist nun mal mein Thema. Das Thema unserer Familie. Das Thema, was ggf. Familienplanungen meiner/unserer Kinder betrifft. Ein Thema, was ggf. meine Kinder verängstigt, weil sie durchaus ‚Träger‘ sein KÖNNEN.

Nur, warum verängstigt es ?

Weil es nicht einfach ist ein behindertes Kind zu haben. Weil es nicht einfach ist, selbst behindert zu sein. >> Weil niemand meine Behinderung, oder die unseres Sohnes, auf den ersten Blick sehen kann, wahrnehmen kann.

Hätte ich etwas unternommen, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte festzustellen, dass unser Sohn autistisch ist, oder mein erster Sohn eine schwere Skoliose hat, oder meine Tochter eine schwere Depression sowie eine nicht unerhebliche Hauterkrankung? NEIN!

Meiner Auffassung nach ist jedes Leben lebens- und liebenswert!

Die Entwicklung zeigt aber, dass die Forschungen, auch in Richtung Eugenik, immer weiter vorangetrieben werden.
Es schüttelt mich bei der Vorstellung von ‚gäserne Gebährmutter‘, von pränataler Intervention im Sinne von genetischer Intervention wenn doch irgendwas nicht so geklappt hat, wie man es sich vorgestellt hat, bei der Vorstellung wie viele bewunderswürdige Menschen erst gar keine Chance bekommen sich zu beweisen, weil man sie als unnütz aussortiert und gar nicht erst werden lässt.

Oder das Klonen… wenn man mal seine Fantasie schweifen lässt:
> da ist ein mehr als ausgezeichneter Soldat, der als des Klones würdig beschieden wird und es werden xxx Klone geschaffen…
> ein überaus genialer Wissenschaftler wird geklont….
> das Model mit den ultra langen Beinen, der blonden Wallemähne, den blauen Augen, den wie geißelt aussehenden Jochbeinen, mit dem so ‚überirdischen‘ Aussehen wird geklont…
Das ist meiner Auffassung nach die pervertierte, sofern das überhaupt geht, Eugenik = alles gleich, alles gleich gut aussehend, alles gleich hoch-intelligent.

Überaus verstörende und auch Besorgnis erregende Vorstellung, oder?

Dass Forschung und daraus resultierender medizinischer Fortschritt sinnvoll ist, daran besteht kein Zweifel. Noch vor 80 Jahren starben Menschen an der Lungenentzündung, es gab Diphtherie, die ebenso oftmals tödlich war, etc. Dies wurde vermieden durch Forschung und Weiterentwicklung.
Dass Forschung im Bezug auf Krebserkrankungen, AIDS, HIV, etc., sinnvoll ist, dass es mehr als wünschenswert ist VOR diesen Erkrankungen Maßnahmen zu entwickeln, dass vermieden werden kann, dass jemand erkrankt, das ist ohne Zweifel richtig. Es ist richtig, dass Frauen sich testen lassen können, ob die Wahrscheinlichkeit besteht z.Bsp. an Brustkrebs zu erkranken, um dann Maßnahmen zu ergreifen dies zu vermeiden – wunderbar, dass dies inzwischen möglich ist.

Nur, die Forschung ist da irgendwie nicht wirklich auf das tatsächliche Wohl ausgerichtet, bzw. nicht immer, oder sehr zweifelhaft: wenn dies alles möglich ist, dann ist es auch möglich am Genpool, an der DNA herumzuspielen, zu verändern, anzupassen, wegzuschnippeln, hinzuzufügen. Und genau DAS ist aus meiner Sicht verwerflich und nicht wirklich auf das Wohl ausgerichtet. Wenngleich es immer Menschen gibt und geben wird, die genau dies betonen: es ist doch nur zum Wohle der Menschheit.

((Gestern, als ich schon gedanklich in einem ähnlichen Thema bloggte, dachte ich daran, was sich Oppenheimer gedacht hat, der 1965 gesagt haben soll  “Now, I am become Death, the destroyer of worlds.” „Jetzt bin ich zum Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“, weil er nicht damit klar kam, was aus seiner Erfindung, der Atombombe, wurde. Ich hoffe inständig, dass den Genetikern dieser Welt, VOR derlei zerstörerischen Vorkommnissen, sicherlich in der ganzen Bandbreite zunächst nicht so wirkungsvoll wie eine Atombombe, aber ganz sicher ebenfalls sehr sehr weitreichend, deutlich wird, was sie tun.))

Ganz abgesehen davon, denke ich nicht, dass Eltern von Autisten sich gegen ihr Kind entschieden hätten! Ich habe wirklich noch keine kennengelernt.

Ich kenne Eltern von Trisomie 21 Kindern, die sich, obwohl sie es wussten, nicht gegen ihr Kind entschieden haben!

Ich kenne keine Eltern von irgendwie behinderten Kindern, die heute sagen ‚ach, hätte ich es doch gewusst, was wäre mir Leid erspart geblieben, wenn ich hätte abtreiben können‘.

Wie geschrieben: jeder muss sich darüber im klaren sein, dass es nicht einfach wird. Und ich betrachte dies alles als eine höchst individuelle und auch intime Entscheidung, die jeder für sich zu treffen hat, da sollte es keinen gesellschaftlichen Druck geben, sowie auch keine gesetzlichen Maßgaben!

Ich vertrete allerdings auch die Auffassung:

NUR DER, DER DAZU IN DER LAGE IST, DER BEKOMMT EIN BESONDERES KIND!
-und das hat nichts mit Stolz, oder autistic pride, Borniertheit oder Dummheit zu tun, Eltern von behinderten Kindern sind mit die stärksten Menschen die ich kenne-

Mein persönliches Fazit:
ich bin froh, wenn ich diese ganzen Entwicklungen nicht mehr mitbekomme. Denn ich empfinde es als verwerflich an etwas absolut natürlichem herumzubasteln, es anzupassen, zu modifizieren, zu manipulieren. Nichts wird mehr dem vermeintlichen Zufall überlassen, alles wird geplant, enträtselt, entschlüsselt und dann verändert und in Form gepresst.
Gegen Gen-Mais protestiert man weltweit, warum dann nicht gegen ‚Gen-manipulierte-Kinder‘?? Kinder bedeuten die Zukunft einer Gesellschaft. Auch Kinder, die nicht der ‚Norm‘ entsprechen, denn durch sie hat jede Gesellschaft die Chance noch besser zu werden!!
Ich bin im übrigen davon überzeugt, dass diese ‚Bausteinkinder‘ auch irgendwann ‚defekt‘ sein werden.

Ich schließe mit einem Zitat von Albert Einstein:

„Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.“ (1952)

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