Psychotherapie und die neuen Quinten aus Berlin

Ich habe mich länger kaum bis nicht darum gekümmert und interessiert, was die von uns gewählten Volksvertreter in Berlin so anstellen. Die neuesten Entwicklungen sind aber nun auch bei mir angekommen und ich bin schockiert.

Gerade erst wurde per 01. April 2017 neu geordnet, dass jemand, der eine Psychotherapie machen will oder muss, nicht mehr zwingend diese unglaublich langen Wartezeiten auf sich nehmen muss. Bislang und auch noch immer sind die Wartezeiten oftmals dermaßen lang, dass man es nicht verstehen kann, wenn man mal nur im Telefonbuch nachschaut, wie viele PTs es vor Ort gibt. 6 Monate sind da keine Seltenheit, was z.Bsp. bei schweren Depressionen fatal sein kann. Nun wurde es so geregelt, dass man binnen weniger Tage einen Akuttermin bekommen kann wo dann im Gespräch auseinandergedröselt wird: ist der Bedarf akut, oder weniger akut. Wenn der Therapeut erkennt, dass es einen akuten Bedarf gibt, dann ist zugesichert, dass man in kürzester Zeit einen festen Therapieplatz bekommt. Das funktioniert tatsächlich wie ich es in nächster Nähe erleben durfte.
Wenn es sich nicht um eine akut notwendige Intervention handelt, sind dann auch hier wieder die exorbitanten Wartezeiten im Spiel… Hier der Link dazu von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Strukturreform der psychotherapeutischen Versorgung

Vor einer halben Stunde, ich hatte meinen Kaffee noch nicht ‚auf‘ da noch sehr früh, habe ich gelesen, dass unser Bundesgesundheitsminister eine weitere Hürde plant, die ich als Verstoß gegen die Menschenwürde ansehe! Jetzt habe ich den Kaffee auf! (RW)

Er plant, dass jeder, der eine PT machen möchte oder muss, zuvor begutachtet werden soll/muss. Es soll entschieden werden ‚ist dieser Mensch tatsächlich krank und hilfebedürftig, oder ist er ein Aufschneider‘ so meine Übersetzung.

Sicherlich ist es nicht schlecht, wenn Menschen, die in die PTs drängen und Plätze blockieren, die faktisch dort nichts zu suchen haben, denn es entstehen Kosten, die wir alle irgendwie tragen, ausgesiebt werden. Es werden Plätze blockiert für Menschen, die dringender Hilfe bedürfen, sh. Wartezeiten.

ABER: die Hürden in eine PT zu gelangen werden für die, die massive Probleme haben, so hoch gesetzt, dass viele davon Abstand nehmen und es weiter allein für sich versuchen am Leben zu bleiben, sei es im übertragenen Sinne, sei es im tatsächlichen Sinne!

Ich frage mich wirklich immer öfter, was diese so wohlmeinenden Volksvertreter (Ironie, oder wasweißich off), geraucht, getrunken, gegessen haben, das sie zu so einem Blödsinn verleitet. Oder benötigen sie selbst mal ein Coaching (mindestens) oder eine PT wegen schwerer Persönlichkeitsstörungen und Wahnvorstellungen?! ((Das Politiker in den meisten Fällen in Richtung Narzissmus gehen, sollte bekannt sein, oder ist es ein Klischee??)). Die Frage Inklusion/Exklusion wird somit auch mal wieder hochgekocht. Wenngleich ich, um mit den Worten einer Freundin zu reden, ‚Inklusion als zahnlosen Tiger‘ ansehe: einen bösen und wirklungslosen ‚Witz‘.

Ich selbst habe nach meiner Diagnostik dringend einen PT Platz gesucht. Ich habe einige Ärzte und Therapeuten kennengelernt, die mit mir nichts anzufangen wussten, da sie keine Ahnung von Autismus hatten, geschweige denn von der weiblichen Form von Autismus. Oder ich habe sie abgelehnt, weil ich mich nicht wohlfühlte.

Nach 6 Monaten mit einer schweren Depression hatte ich dann endlich einen Platz bei einem PT, der mir empfohlen worden ist vom meinem Psychiater, auch wenn dieser so etwas nicht darf, aber er wusste, dass ich nach einem speziellen Therapeuten suche und wollte mich nur unterstützen. Das war das beste, was mir passieren konnte! Auch wenn 6 Monate, jeder weiß wie schlimm eine Depression sein kann, unfassbar lang waren, wenn man bedenkt wie viele PTs es alleine hier in dieser Stadt und im Umland gibt, plus der vielen Ausbildungszentren, die hier ebenfalls zu finden sind, wo auch therapiert wird.

Wenn ich durch eine Begutachtung hätte gehen müssen, hatte ich schon im Vorfeld abgebrochen! Denn: jeder Autist sollte diese Begutachtungen kennen, irgendwie, denn ohne kommen wir kaum an unsere Diagnosen (ich empfinde die Diagnose ähnlich einer Begutachtung, weil extrem intensiv, nur ist sie viel viel respektvoller als eine Begutachtung), oder an unsere Schwerbehindertenausweise (das ist das nächste Thema, was meine Haare frühzeitig ergrauen lässt, auch hier gibt es Neuentwürfe von Seiten erwähnten Ministers), die unser Leben etwas einfach gestalten sollen.

Ich denke, das grundlegende Problem ist: ein Gutachter kann sich niemals in der kompletten Bandbreite auskennen. Er/sie wird einige Bereiche eventuell anreißen, also eventuell wenigstens einen Bodensatz Wissen besitzen, aber nicht derart, dass es für eine vernünftige regelrechte Begutachtung und Einschätzung reicht! >> Genau so in einer meiner vielen Begutachtungen erlebt! Da wird man als phobisch etc klassifiziert, weil die autistischen Besonderheiten nicht ge- und erkannt werden, obwohl mit dem Diagnoseschreiben genau darauf hingewiesen wird. Dies kann man dann noch weiterspinnen in: der Gutachter missachtet/negiert das Können des Arztes, der diagnostiziert hat und setzt sein Wissen/Können höher an….

Einen schwerst depressiven Menschen, oder einen Autisten, der verzweifelt irgendwie teilhaben möchte aber Unterstützung benötigt, so wie ich damals, durch eine menschenverachtende Begutachtung zu schicken ist unfassbar. Diese Hürde: wieder ein neuer Kontakt, allein der neue Weg dort hin, man kann den Menschen nicht einschätzen, man kompensiert wieder einmal, verdreht sich, kann oder will das tatsächliche Sein nicht zeigen weil die Vertrauensbasis fehlt, sehe ich als das schlimmste an, was passieren kann. Gilt nicht nur für Autisten oder depressive, viele haben solche Probleme, ich kann allerdings nur für mich schreiben.

Inzwischen benötige ich die Unterstützung und Übersetzung von vielem von meinem Therapeuten nicht mehr so arg. Zu den früher alle 2 Wochen stattfindenden Gesprächen, bin ich heute bei 6-8 Wochen-Abständen angelangt. Aber ganz ohne??? Nein. Bitte nicht.

 

((Zu der Sache mit den Schwerbehindertenausweisen und deren Neuüberprüfung: ich weiß kaum etwas darüber, habe mich nicht eingelesen, weil dieses spezielle Thema regelrechte Angstzustände bei mir auslöst! Wenn es so werden sollte, wie ich momentan GLAUBE (heißt nicht wissen!), dass jeder einzelne SBA auf den Prüfstand kommen wird, neu etikettiert wird, neu eingestuft wird, dann ‚gute Nacht Marie‘ (RW) und ich bange um den unseres Sohnes, der ohnehin nur bis 2020 läuft, weil: Autismus wächst sich doch aus… (bei Kindern und Jugendlichen wird ein SBA nur wenige Jahre bewilligt, selbst bei schwerwiegenden Erkrankungen wie z.Bsp. Epilepsie gibt es diese Einschränkung) Unfassbar, oder? Mein SBA kann wegfallen, da ich ohnehin in Rente bin, wenngleich er mir zusteht, bislang.))

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