Corpus Callosum

Ich habe heute einen Text übersetzt (die Übersetzung war zum teil grauenhaft, weil ich keinen vernünftigen deutschen Satz hinbekommen habe und somit in der wörtlichen Übersetzung geblieben hin. Leider kein Einzelfall bei mir, denn ich hänge meist im englischen fest und bekomme den deutschen Kontext nicht mehr zusammen… egal), der für mich hochgradig interessant war.

Es ging um eine, bzw. zwei, amerikanische Forschungsreihe(n), die sich mit dem Gehirn und dessen Struktur bei potentiell autistischen Kindern, bzw. Babies, befasst.

Die eine Forschungsgruppe fand heraus, dass es ab dem Alter von 6 Monaten messbare Bereiche gibt, cerebral white matter, die weiße Masse im Hirn, die in einer größeren Menge vorhanden und aktiv sind, wenn das Kind autistisch ist und ab dem Alter von ca. 2 Jahren deutliche autistische Besonderheiten auftauchen, so. z.Bsp. das Flattern, sensorische Probleme, etc.

Die andere nicht an der ersten Forschungsreihe beteiligte Gruppe, vertritt die Auffassung, dass schon bei kleinsten Kindern eine Besonderheit im Corpus Callosum, feststellbar ist, welches die beiden Hirnhälften verbindet, wie ein Faserbrücke einen Informationsaustausch möglich macht.

Ich finde beide Ansätze bemerkenswert. Den ersten kenne ich schon lange. Der zweite ist neu für mich, allerdings so logisch, dass mir gerade fast die Luft wegbleibt.

Die zweite Forschungsgruppe  ist auch der Meinung, dass Autisten beide Hemisphären gleichbedeutend nutzen und nicht wie sonst üblich nur eine überwiegender Weise. Was ich auch als logisch betrachte, zumindest bei mir. Denn, wenn ich auf nur eine Hälfte festgelegt wäre, dann wäre ich entweder nur logisch, oder nur ganzheitlich und kreativ, aber ich bin beides. Und das in einem sehr ausgeprägten Maß!

In den beiden Hirnhäften sind unsere ‚Features‘ angelegt. Dort findet man das Sprachzentrum, das Zentrum für unsere Gefühle, die Kreativität, die Logik…. Man sagt, dass die rechte Hirnhäfte für die ganzheitlichen Denkensweisen und die linke für die analytischen Herangehensweisen zuständig sind.

Natürlich, und das gibt es überall und immer wieder, ist es möglich, dass man ausschließlich nur eine Seite nutzt und ausschließlich logisch ist und einem das ganzheitliche verschlossen ist, oder anders herum: man ist komplett ganzheitlich orientiert und Logik geht einem völlig ab.

Nur, warum ist das so? Und hier wird es spannend.

Es gibt nämlich wie bei jeder Verbind, jeder Brücke, jedem Tunnel, egal wie man das Corpus Callosum nennen möchte, auch die Möglichkeit, dass dieser Durchgang blockiert ist. Die Tür ist zu und ein Austausch findet nicht oder nur durch das Schlüsselloch, also minimal, statt.

Ich habe vor 20 Jahren Kontakt zur Edukinestetik gehabt, diverse Scheine gemacht. Hintergrund war: ich wollte etwas neues lernen und unser ältester Sohn hatte massive Wahrnehmungsstörungen (seine sensorische Integration war heftig gestört).

Die Edukinestetik ist ein Teilbereich, der aus der Kinesiologie kommt und befasst sich mit dem Corpus callosum.

Es gibt, so lernte ich, ganz simple Übungen, die sogar Spaß machen, um eine Blockade des Corpus callosum zu lösen.

Nachdem ich diese Kurse belegt hatte ging es los: ich machte die witzigsten Übungen mit beiden Kindern, denn ich schließe niemanden aus, wenn er/sie mitmachen möchte. Wir hampelten, massierten, strichen aus, malten, wann immer, vorzugsweise morgens vor der Schule, wir Lust hatten und auch die Notwendigkeit sahen. Und: es brachte etwas!

Noch heute male ich liegende Achten. Noch heute dirigiere ich mit Stiften auf einem Blatt Papier (double doodle). Beides, wenn ich mich nicht konzentrieren kann, unruhig bin, oder einfach Lust darauf habe!

Es gibt Bereiche, die ‚Gehirnknöpfchen‘, die kann man aktivieren, bevor man ich wichtige Gespräche geht, oder Prüfungen. Es gibt die ‚Denkmütze‘, die man aktivieren kann, wenn Klassenarbeiten anstehen…

In allem aber ist eine Sache zu finden: die Überkreuzbewegung, die für die Vernetzung rechts mit links (Hirn) steht. Denn: lineare Bewegungen und Strukturen, so zum Beispiel wenn man auf Bahngleise guckt, also gerade Strukturen, die keine Überschneidung haben, dann blockiert man die Verbindung zwischen rechter und linker Hirnhäfte. Man schlägt buchstäblich die Tür zu und verklebt das Schlüsselloch.

Mit dem Gehampel morgens: rechte Hand auf linkes Knie und umgekehrt, teilweise auch hinterrücks rechte Hand auf linke Fußsohle und umgekehrt, dem Ausstreichen der rechten Ohrmuschel mit der linken Hand und umgekehrt, dem Klopfen auf der Thymusdrüse, oder auch nur die Hand dort hinlegen, das kann nämlich nicht jeder haben und dann auch im Wechsel rechts links, dem punktuellem Stimmulieren der kleinen Grübchen unter den Schlüsselbeinansätzen auf der Brust… haben wir so manche schwierige Situation gemeistert. Ob es jetzt ’nur‘ die mütterliche Aufmerksamkeit war, oder ob es tatsächlich etwas geholfen hat, das mag dahin gestellt sein. Mir hilft es jedenfalls noch heute.

 

Hier die Links zu den Artikeln, auf die ich mich z.T. beziehe:

amerikanische Studie

Das Hirn

weiße Hirnmasse

Corpus Callosum

Edu-Kinesthetik

Gehirn-Jogging (Brain Gym)

 

 

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2 Gedanken zu “Corpus Callosum”

  1. Mir ist gerade etwas aufgefallen: wenn ich schaukel, dann falte ich mich meistens zusammen: ich sitze mit überkreuzten Beinen da (ich weiß, dass das ungesund ist, ist mir aber in dem Moment egal), überkreuze meine Arme vor dem Bauch, lasse sie recht und links von den Beinen hängen und flatter mit den Händen. Und dann schaukel ich, aber nicht von vorne nach hinten, sondern von rechts nach links, manchmal auch in einer sanften Kreisbewegung: alles Überkreuzbewegungen, die der Vernetzung rechte-linke Hirnhäfte zuträglich sind.
    Alles was über die eigene Achse (vertikal) geht, ist eine ‚Überkreuzbewegung‘. Und davon mache ich, wenn ich bewusst darauf achte, unglaublich viele Bewegungen, gerade, wenn es mir nicht so gut geht.

    Im Gegensatz dazu, und das kann man beobachten, wenn man weiß worauf man achten muss, gibt es sehr viele Menschen, die nahezu linear sind. Das fängt schon beim Gehen an, was an sich schon eine Überkreuzbewegung ist, aber als lineare (blockierende) Bewegung anzusehen ist, wenn die Arme nicht überkreuz mitschwingen. Und ja, es gibt wirklich Menschen, da schwingt der linke Arm mit dem linken Bein nach vorne, so wie auf der rechten Seite Arm und Bein…. Darüber muss ich mal weiter nachdenken.

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  2. Äußerst interessant.
    Da fällt mir ein: Meine Tochter war mal bei einer Logopädin, weil sie das SCH nicht aussprechen konnte, und hat dafür auch Kreuz-Übungen zur Verknüpfung der Gehirnhälften bekommen. Ganz plötzlich war dann das SCH da. Fand ich sehr spannend.
    In meinem Alltag gibt es auch keine wiklich bevorzugte Seite. Meine Psych meinte zu mir, meine emotionale und die analytische seien gleich auf und ergänzen sich prima, weshalb die Diagnostik anfangs nicht so leicht war. Allerdings merke ich, wenn es mir schlecht geht, ist alles krampfig.

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