Wie ABA uns hätte helfen können (nicht erschrecken bitte!)

Ich muss gestehen, ich war gerade wirklich schockiert, zunächst, die ersten 5-7 Sekunden, kenne ich die Bloggerin (glaube ich) inzwischen ganz gut…. Phew, die Erleichterung setzte recht schnell ein.

Ich muss etwas ausholen.

Zunächst: ich hatte vor 2 Tagen ein ziemlich sonderbares Erlebnis: mein Mann führt auf Facebook eine große Gruppe, in der sich Leute, die in dieser Stadt wohnen, zusammen gefunden haben (ja, er hat auch noch die andere, die mit den britischen Soldaten, bei der ich auch Admin bin). Er wies mich auch ein Mitglied hin, das in seiner Account-Info einen sehr interessanten Satz stehen hat: „Ein Kind mit Autismus zu begleiten, ist auch eine Reise zu sich selbst“. (ich muss gerade lauthals lachen, denn ich hatte mir vorgenommen diesen Satz zu recherchieren, da es sich um einen Buchtitel handeln soll und das was ich da gefunden habe, lässt mich lachend zusammenklappen! Das Buch gibt es und es ist von Silke Bauernfeind. Und warum ich gerade so ‚ausraste‘ wird gleich ziemlich deutlich werden!!).

Ich schrieb diese Frau an, etwas, was ich sonst wirklich eher nicht mache, aber diese Stadt ist ja angeblich ‚autismusfrei‘, weil, Autisten sind ja ab 18 austherapiert und vollwertige Mitglieder dieser Wertegemeinschaft…. blahblahblah, wirklich? Was ein Schmarren… Ob sie Autistion wäre, oder gar ein autistisches Kind habe, wir wären Autisten… Es kam zurück, dass sie Psychologin wäre und seit 2 Jahren mit einem autistischen Kind arbeiten würde, ob ich denn ‚das Projekt MIA (Münsteraner Intensivtherapie für Kinder mit ASS)‘ kennen würde.

Ich muss gestehen, ab da war mir übel, obwohl ich es nicht sicher wusste, wusste ich dennoch, was dahinter steckt. Ich antwortete ‚Sagt mir nichts. Oder hat es mit Professor R. zu tun? Dann ja.‘
Nun, es kann sich glaube ich jeder denken, was dann kam. Sie gehört zur seiner Forschungsgruppe.

Ich fragte sie, ob sie sich bewusst wäre, dass jeder mündige Asperger (damit meine ich NICHT, dass es auch unmündige gibt, ich meine die erwachsenen unter uns damit) gegen diese ‚Therapieform‘ Amok läuft. Sie bestätigte, aber es gäbe ja nicht nur die Asperger. Ich schrieb ‚Das mag sein. Nur ich BIN Asperger und an Leuten wie mir wird sowas praktiziert. Unser Sohn hat Anteile davon ertragen müssen und wurden massiv beeinträchtigt und geschädigt! Für frühkindliche ist es eventuell eine Möglichkeit, dennoch lehne ich diese Form der Konditionierung aufs schärfste ab!‘. Daraufhin kam nur noch lapidar ‚Ich muss mich nicht rechtfertigen‘ ein Gruß für das neue Jahr und weg war sie….

Lange Rede kurzer Sinn: diese Leute sind nicht konfliktfähig. Aufklärung zu meinem Lachflash eben: Silke lehnt ABA (oder MIA) ab. Dass ihr Buchtitel dort sogar zitiert wird ist der Brüller schlechthin.

Nun zurück auf den Blog von Sinnesstille.

Ich denke, jede Mutter von autistischen Kindern ist irgendwann an dem Punkt, komplett verzweifelt, frustriert, demoralisiert, nachzudenken ‚was hätte ich anders machen können um das hier alles in andere ‚Bahnen‘ zu lenken?‘ (ganz abgesehen davon, denken das alle Eltern irgendwann, nicht nur die autistischen oder die von autistischen Kindern!). Die Frage, hätte mir/uns ABA oder MIA helfen können, stellte sich mir auch, zumal eine Freundin von mir dieses Programm mit ihrem schwerst behinderten (und autistischen) Sohn kennt und praktiziert hat und er so in die Lage versetzt wurde, irgendwie sein doch sehr stark eingeschränktes Leben zu leben (zwar nicht autonom, aber zufrieden!). Nur, unsere Auffassung von Erziehung, alleine schon durch meine eigenen Erlebnisse mit einer erheblich autoritären Erziehung, waren ganz anders.

Der Druck von außen ‚er/sie muss doch funktionieren (wenn ich das schon höre). Wie soll er/sie später für sich selbst sorgen? Ihr seid doch nicht ewig da…‘ lässt schon einige sonderbare Gedankengänge zu!

Das alles gipfelte in einem Gutachten, damals, als ich noch versucht habe die Pflegestufe für unseren Sohn zu erlangen, in dem uns ein permissiver Erziehungsstil unterstellt wurde (und das war nicht nett gemeint, sondern ging in Richtung Verwahrlosung und wir haben uns deutlich positioniert und dagegen gewehrt, was aber an einer Ablehnung nichts änderte)…

Da kommen schon solche Gedanken auf wie ‚wenn wir strenger wären, wenn wir vehementer wären, wenn wir harte Konsequenzen fahren würden.. wäre es dann besser?‘ NEIN!

Asperger machen unter Druck zu! Man verschlimmert alles. Soll ich mein Kind, das stundenlang schreit weil es die Welt nicht versteht, sich nach Nestwärme sehnt, bitterlich sehnt, aber die Wärme des Kontakts nicht aushalten kann, wenn es in den Arm genommen wird, oder man es neben sich ins Bett legt und es die Möglichkeit hätte sich einzukuscheln, dies aber nur für Sekundenbruchteile aushält, schreien lassen? NEIN! Das mit dem Pucken kannte ich damals noch nicht, aber das wäre ganz sicher eine Möglichkeit gewesen, hätte aber nicht alles ersetzt.

Ich denke, und bin zu 99,9% davon überzeugt davon, dass wir es richtig gemacht haben und auch noch machen, dass der Druck von außen uns autistischen Eltern, uns Eltern von autistischen Kindern, massiv behindert und verunsichert.

Dieses ‚man kann keine eckiges Etwas in eine runde Form pressen ohne es zu verletzen‘ stimmt zu 100%, logisch.

Diese Gesellschaft muss funktionieren, das ist richtig, aber diese Gesellschaft sollte überdenken, dass es Menschen gibt, die eben ‚eckig‘ sind, deswegen aber nicht weniger wert oder gar unproduktiv. Sie sind ‚unproduktiv‘, weil der Druck, die Erwartungshaltung, die Notwendigkeiten, die mangelhaften Möglichkeiten zur freien Entfaltung, sie erdrücken.

Und ABA (MIA) mischt da fröhlich mit, ich rede gerne in Bildern: ABA/MIA ist für mich wie ‚ich drechsel mir was rundes. Alles was absteht oder übersteht wird weggefräst.‘ => aua!

In diesem Sinne: Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein als ein rundes Nichts (Hebbel).

(Sinnesstille: Ihr habt es schon komplett richtig gemacht!)

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