Mein erster Flashmob, oder: was wäre, wenn Rechte mal konsequent wären?

Letzten Samstag gab es diese Aktion. Ein bundesweiter Flashmob, initiiert von einer Frau aus ‚meiner‘ Stadt. Man traf sich an neuralgischen Punkten in der jeweiligen Stadt und sag das Lied ‚Schrei nach Liebe‘, dass gerade durch die Charts gejagt wird, nach 22 Jahren wieder, noch immer so aktuell.

Ja. Ich.habe.da.mitgemacht.
Ich, eine Autistin, mit erheblichen Problemen in Menschenmengen… Meine Tochter hat mich begleitet, sonst hätten mich keine 10 Pferde dorthin bekommen.
Als ich die Massen zunächst gesehen habe, habe ich geschlagene 5 Minuten dort am Rand gestanden und paralysiert auf dieses Gewimmel gestarrt, mir überlegt, ob ich nun komplett irre geworden bin.

Wir haben uns durch unsere ‚gute Stube‘ gequetscht/geschlängelt/laviert um die Zeit noch kurz auf dem Markt zu nutzen, nur: die Leute vom Flashmob, die ja nicht vor dem Rathaus stehen sollten waren alle dort, oder wenigstens 60%. Nun gut, auch das habe ich geschafft.

Nach den 3-5 Minuten auf unserem so proppevollen Markt, wollten wir zum eigentlichen Ort des Geschehens zurück gehen. NUR: genau das haben sich sämtliche anderen auch gedacht.

Okeeee….

Wir machten uns auf den wirklich nicht einfachen Weg ‚einmal quer durch‘, um eine schmale Gasse zu erreichen, wo es nicht so voll war. Glücklicher Weise reagierten sehr viele auf mein verzweifeltes ‚Tochter, ich komme hier nicht durch‘ und machten uns eine Gasse frei.

Gut. Wir standen da nun, und harrten der Dinge die da nun kommen sollten.

Es war toll. Gänsehaut pur. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn so viele Menschen, die Schätzungen liegen zwischen 700 und 2500 Mitsingern, zusammen dieses eine Lied schmettern. In dem Bestreben zu zeigen ‚ey, Ihr Dumpfbacken, so nicht!‘.

Ich habe dieses Lied seit 5 Tagen als Dauerohrwurm und es nervt mich noch immer nicht…

Was mich aber bewegt, denn wir gingen danach direkt, weil man verlässt ja nach einem Flashmob direkt den Ort des Geschehens, zum nächsten Chinesen um uns Mittagessen für die Familie zu besorgen: was wäre, wenn wir ‚rechte Intelligenz-Verweigerer‘ wären?

Ja, da gäbe es für uns weder Chop Suey, noch gebratenen Reis, noch Pizza (!), noch Döner (logisch)… aber da würde dann ja noch so viel mehr ‚dran hängen’… was ist mit Kleidung, was ist mit dem Handy, Fernseher, Computer…

Was ist mit der Ernährung schlechthin?

Denn es wird ja so vieles importiert, was ich so sehr schätze und auch nicht missen wollen würde…

Wenn ich bedenke, dass man, wenn man konsequent alles ablehnt, was anders ist, dann bezieht sich das auch auf die Ernährung. Und ich sehe in meinem Kopfkino gerade Horden von Irren durch Felder und Wiesen streifen auf der Suche nach Beeren, Wurzeln, Pilzen und Wildtieren. Ich sehe sie in Bächen und Flüssen stehend nach Fischen grabschen.

Nun, das wäre bestimmt ziemlich interessant.

Dann, was ist mit der Medizin, die ja nachweislich absolut nicht deutsch ist, sondern heute ein Konglomerat aus fernöstlichen, ägyptischen und griechischen Erkenntnissen ist. Himmel, sowas muss man doch ablehnen (Ironie).

Ich stelle mir vor, dass man als aufrechter Nazi zu einem Bader gehen müsste, der deutsche Blutegel setzt, deutsche Heilkräuter verabreicht… mhm, unschön, wäre aber konsequent.

Was ist mit den Anziehsachen, die ja zuhauf in Indien, Pakistan und sonstwo hergestellt werden… In Felle mag man sich ja heute nicht mehr wirklich kleiden. Ich stelle mir gerade vor, wie man die Klamotten einmal so richtig schön durch eine stinkende deutsche Jauchegrube schwenkt, damit sie den richtigen Effet bekommt. Ok, danach ist Waschen erlaubt, nur womit? Denn die Waschmaschinen werden ja auch gott-weiß-wo hergestellt. Au Backe.

Möbel… huch, das meiste ist irgendwie mit Kunststoff verarbeitet, das ist auch nicht wirklich durch und durch deutsch… naja, eine harte Unterlage soll ja gut für den Rücken sein, also schläft man auf dem Boden…und Kleiderschränke sind sowieso komplett überbewertet.

Mag sein, dass jetzt so mancher denkt ‚dreht sie nun komplett durch?‘, mag sein, dass es an meinem Autismus liegt, dass ich mir so vieles ausmale, Informationen sammle und mich gerade köstlich amüsiere…. vollkommen egal.

Schlussendlich wäre es, wenn man konsequent das lebt was man propagiert ‚alles fremde ist schlecht‘, ein Rückschritt ins Mittelalter. Für manche wäre es eventuell eine Chance.

Es ist eine Spinnerei, zugegeben, aber ich denke, man sollte sich diese letztendliche Konsequenz mal durch den Kopf gehen lassen, bevor man anfängt alles zu verteufeln, was in irgendeiner Form anders ist.

Ist es richtig?

Ist es sinnvoll?

Was macht das aus mir?

Meine Antworten:

nein

nein

einen Volltrottel

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