Reisdecken

Es ist eine Herausforderung etwas herzustellen, was woanders Unmengen an Geld kostet.

Wie bei so vielen Dingen ist es aber realisierbar.

Gewichtsdecken kosten in der ursprünglichen Form richtig viel Geld, was für viele Menschen mit Besonderheiten nahezu unmöglich ist, langes Sparen voraussetzt. Für Eltern von z.Bsp. autistischen Kindern bedeutet dies aber auch viel verschenkte Zeit, ganz abgesehen von den Menschen, die z.Bsp. ADHS – ADS haben…

Ich habe vor Jahren überlegt, wie man es einfach und auch kostengünstig umsetzen kann: mit Reis.

OK, man muss natürlich auch selber nähen können, oder eine Schneiderin kennen, die mitdenkt, die bereit ist, dieses Gewicht, was benötigt wird, auch zu verarbeiten. Und: auch nur 6kg werden verdammt schwer, wenn man sie immer wieder durch die Nähmaschine bugsieren muss. Man muss aufpassen, dass kein Reiskorn unter die Nadel gerät, denn das bricht die Nadel und man stanzt Löcher in den Stoff…. aber: das ist alles machbar.

Nun hat eine Freundin von mir den Wunsch geäußert eine noch schwerere Decke genäht zu bekommen. Sie hat bislang schon 2 Decken, die sie wohl zusammen nutzt, was unerquicklich ist. Sie wünscht sich eine Decke mit guten 25kg…. Mein erster Impuls war: ‚bei aller Freundschaft, sorry, mache ich nicht‘.

Nachdem sie aber selber viele Ideen hatte, hat sie eine Idee entwickelt, mit der es ganz einfach umzusetzen ist: ich werde also zunächst eine Hülle nähen, die in etwa der Größe einer normalen Bettdecke entspricht, also 200x140cm.

Stoff ist teuer, wenn man aber wie ich die Möglichkeit hat, in einem ‚Outlet‘ zu kaufen, wo normaler Weise jedes Stück nur 2 Euro kostet, wird auch dies zu einem ‚Kinderspiel‘. Etwas schwieriger wird, dass meine Freundin sich eine Seite mit einem Reißverschluss schließbar wünscht, dass die Kassetten mit Reis herausgenommen werden können um den Bezug zu waschen. So lange Reißverschlüsse kosten viel Geld, aber auch da wird mir mein Händler helfen, denke ich. Notfalls werde ich diese Seite mit Knopflöchern und Knöpfen schließbar machen.

Hier also meine Arbeitsanleitung für alle, die ebenfalls eine kostengünstige Gewichtsdecke nähen möchten:

  • überlegt, wie groß die Decke werden soll
  • besorgt ein Stück Stoff, das doppelt so groß ist (oder 2), in meinem Fall brauche ich ein Stück 400x145cm. Von Vorteil ist, wenn es ein fester Stoff ist, denn das Gewicht darin ist wirklich nicht unerheblich
  • Ihr braucht noch ein weiteres Stück Stoff. Hier ist ein fester Stoff, z.Bsp. ein Baumwollkörper gut, ein dünner Jeansstoff, oder einfach ein dünner Hosenstoff ohne Elastan (hieraus werden die Reistaschen / Schläuche genäht)
  • legt den Stoff rechts auf rechts (die gute Seite ist gemeint)
  • feststecken, dass er nicht verrutscht
  • nur als Hinweis: ich arbeite quer = die eine Längsseite bleibt offen
  • wenn Ihr mit einem Reißverschluss arbeiten wollt, arbeitet den Reißverschluss ein, versäubert das ganze (ich planen einen der endlos Versionen zu nehmen und freue mich schon auf das Einfrummeln des RV-Füßchens (Ironie)
  • näht die Seiten, bis auf die, die offen bleiben soll (oder mit Reißverschluss), zu
  • dreht das ganze auf rechts
  • nun bügelt Ihr den Bezug ordentlich
  • Steppt einmal ganz knappkantig rundherum (bis auf die offene Seite), so dass ihr eine stabile Seitennaht habt
  • jetzt geht’s ans Rechnen…: messt die Fläche, die Ihr nun zur Verfügung habt. Bei einer Fläche von 200x140com, bieten sich Tunnel von 20cm an. > es geht darum, dass ich keine einzelnen Kassetten mehr in diese Decke nähen möchte, die mit Reis befüllt sind, ich möchte Tunnel nähen, in die ‚Schläuche‘ gegeben werden, die mit Reis gefüllt sind
  • wenn ich also 10 Tunnel nähe, über die Länge von 200cm, habe ich jeweils an die 20cm in die jeweils ein Schlauch mit 2,5kg passen, was absolut geht, denn das ist wirklich kein großes Gewicht.
  • nehmt den Bezug und markiert mit Schneiderkreide die Tunnel
  • steckt alles mit Stecknadeln ab, denn diese Stoffmenge verschiebt sich schnell
  • vergesst die Sperrstiche an den Enden der Naht nicht.
  • wenn alles geklappt hat, habt Ihr nun einen Bezug mit 10 Tunneln, der an einer Seite der Tunnel offen ist, so dass sie befüllt werden können.
  • alternativ zum Reißverschluss, was nicht jedermanns Sache ist, gibt es Druckknöpfe, die sehr belastbar sind, im Fachhandel, oder man näht, wie bei jedem Bettbezug Knopflöcher und Knöpfe an (ich würde pro Tunnel jeweils 2 machen)
  • nun nehmt Ihr den 2. Stoff und reißt (von der Selfkante aus ist das ein moderater Weg gerade Nähte zu bekommen) 10 40cm breite Streifen ab.
  • bügelt diese Streifen
  • legt den Stoff wieder einmal rechts auf rechts
  • näht und versäubert die Seitennähte, bis auf eine Kurzseite
  • über diese Kurzseite wird der Schlauch mit dem Reis befüllt
  • auch hier macht es Sinn, sich zu überlegen, in welchen Portionen der Reis fixiert werden soll, denn 2,5kg Reis jetzt einfach hineinzu kippen ist… Blödsinn.
  • Ich habe mir überlegt, dass ich wieder in 10er Schritten arbeiten werde
  • also: wieder 10 Fächer markieren, die in etwa 14cm breit sind. Es reicht, dies nur mit Schneiderkreide zu machen.
  • nun beginnt der wirklich ätzende Teil
  • 2,5kg geteilt durch 10 sind 250gr.
  • Man füllt nun 250gr in einen Schlauch
  • steckt sorgsam mit Stecknadeln gut 2-3cm oberhalb des Reis, vor der Markierung, den Stoff so zusammen, dass der Reis fixiert ist
  • Vorsicht! Um Eurer Nähmaschinennadeln Willen, näht nicht über Reiskörner
  • das macht Ihr, bis Ihr die 2,5kg Reis für den jeweiligen Schlauch verarbeitet habt
  • etwas fummelig wird das letzte Fach, aber wenn Ihr es bis hier hin geschafft habt: das schafft Ihr auch noch! Ordentlich die Kante einschlagen und von rechts zusteppen.
  • das ganze 10Mal, 100 Kassetten nähen, 25kg Reis verarbeiten
  • nehmt die Schläuche, füllt sie in die Tunnel, je Tunnel ein Schlauch
  • fertig.
  • Mir ging gerade durch den Kopf, ob ich die Schläuche noch innerhalb der Tunnel fixieren muss/sollte, dass sie sich nicht verschieben können. Aber ich denke, dass zeigt der Praxistest und ist schnell nachgeholt

Warnung: 25kg sind ein enormes Gewicht. Für nicht jeden geeignet!

Man sagt, so als Faustregel, die Hälfte des persönlichen Gewichts für eine Gewichtsdecke, was ich aber dennoch als sehr viel betrachte.

Ich habe mich schon unter andere Decken gelegt, versuchsweise, die ich genäht habe, die lagen alle unter 10kg und es war richtig angenehm.

Im Sommer ist Reis kühlend.

Reis ist insgesamt einfach zu bekommen, meines Wissens anti-allergen (man isst ihn ja auch nicht) und er riecht angenehm.

Nur, waschen kann man die Tunnel nicht, deswegen die Idee mit den Schläuchen.

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4 Gedanken zu “Reisdecken”

    1. Klar! Nur: ich hasse Klettverschlüsse, die verkleben die Nadeln so, denn es gibt kaum noch welche ohne Klebefläche (oder für viel Geld aus dem Fachhandel, da kann ich genauso gut einen RV nehmen). Und Druckknöpfe habe ich erwähnt… *zwinker*

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    1. Der Verschluss muss so gartet sein, dass der Oberstoff, also der Bezug, nicht einreißt, was bei Klett ganz sicher sehr schnell passieren würde, weil die Schwerpunktverteilung (sonderbarer Weise, ist aber tatsächlich so) bei Klett punktuell ist. Ein guter Klettverschluss platzt nicht auf, aber erschwert auch die ganze Sache, weil man nicht “mal eben so“ aufreißen kann, da die Tunnel dies verhindern…dann reißt man die Tunnel auf…. und alles ist kaputt… nee nee nee

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